Mit Bahn Bus & Schiff nach Australien usw!

DER BEGINN

Jahreswechsel 2005 / 2006:

Ich verbrachte diesen Jahreswechsel mit mir allein, wie schon häufiger in den letzten Jahren, hatte mir etwas Lachsiges gebrutzelt und saß dann später mit ’nem Schöppchen vom Roten vor der Flimmerkiste und schaute mir, da ich für die üblichen Sylvester Sendungen wenig bis gar nichts übrig habe, auf terranova (ein Sender, den es in jenen Tagen noch gab) einen Reisebericht über Polynesien an ~ ein Fleckchen Erde, das mich schon als Student faszinierte, als ich darüber ein Referat halten durfte, damals eher musste.

Plötzlich schoben sich ~ wie in einer Vision ~ Bilder vor die des Fernsehers. In ihnen sah ich mich auf der anderen Hälfte der Erdkugel und meinen Weg dorthin. Er begann in einem Hafen auf einem Schiff, auf dem ich anheuerte, um auf dem alten Seeweg, um Afrika herum, erst einmal nach Australien und dann in die Südsee zu gelangen. Denn auch Australien ist etwas, was mich bereits als kleiner Dotz fasziniert hat ~ auch wenn ich bisher nie dort gewesen bin. Und außer einem Bildband und einer kleinen Flasche mit rotem Sand aus dem Outback gab es zu dem Zeitpunkt wenig Konkretes über Australien und schon gar nichts über Polynesien in meinem Domizil. Buch und Sand habe ich mal von jemandem zum Geburtstag geschenkt bekommen, der schon dort war und von meinem Traum wusste. Seitdem steht beides im Regal, so dass ich diese Dinge praktisch immer vor mir sehe.


Auch so können Träume überleben.


Diese beiden Dinge haben allerdings in der Zwischenzeit Zuwachs bekommen. Diverse Reiseführer, Landkarten von Australien und Bücher, die sich mit den Aborigines befassen, wie auch Literatur von erfahrenen Travellern, über die Vorbereitung einer solchen Reise und ein selbstgebautes Didgeridoo liegen inzwischen griffbereit überall herum. Die unter mir wohnende Familie hat sich ob meines neuen Hobbys mit den alles durchdringenden Tönen schon beschwert.

Wie dem auch sei, nach dieser „Einlage“ in der Sylvesternacht, habe ich vom Jahreswechsel nicht mehr allzu viel mitgekommen, denn ich tauchte bei Google in die Welt der Globetrotter ein und kam für den Rest der Nacht kaum mehr davon los. Allerdings musste ich mir dann gleich auch den ersten Zahn ziehen lassen. Nämlich den, mal eben so auf einem Schiff anheuern zu können. Dass sei alte Seefahrerromantik, die im heutigen Deutschland nicht mehr möglich ist, konnte ich dort lesen. Tja, und das haben mir diverse Reedereien leider bestätigt. Niemand darf mehr in unserem Land der Zeugnisse und Reglements ohne eine spezielle Ausbildung als Crewmitglied an Bord. Und da sich auch alle „Hand gegen Koje“ Versuche für mich als nicht machbar erwiesen, war es u.U. eine Überlegung wert, den asbachuralten Weg des Blinden Passagiers anpeilen. Wobei ich nicht wirklich weiß, wie es um meine Seefestigkeit bestellt ist.

Interessant in diesem Zusammenhang war für mich auch die Feststellung, dass ich plötzlich keinerlei Schiss mehr davor hatte, so eine Reise alleine zu machen oder erst einmal eine Menge Taler dafür sparen zu müssen. Denn bisher wollte ich meine geträumten Reisen immer nur mit (m)einer Partnerin an meiner Seite machen und das mit reichlich Kohle in der Tasche. Aber jetzt, jetzt war plötzlich glasklar, dass ich unbedingt und auf jeden Fall alleine losziehen wollte, und dass ich sooo viele Taler nun auch wieder nicht benötigen würde, zumal ich ja 2005 meine sogenannte vorgezogene Altersrente beantragt hatte, die ich ab Juni 2006 bekommen würde. Es waren halt meine inneren Ausreden über all die Jahre hinweg, um meine Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Sie alle erschienen nun wie weggeblasen, als hätte es sie nie gegeben. Und damit müsste ich mich nach den erforderlichen Vorbereitungen spätestens am 16. Mai 2007 (meinem Geburtstag) auf den Weg machen können. Eine Vorstellung, die immer wieder ganz tief in mir ein Kribbeln, eine enorme Freude auslöst.

Somit war klar, dass ich dann endlich im „zarten Alter“ von 64 Lenzen genau das tun will und werde, was die meisten, die es tun, in mehr oder weniger jungen Jahren machen ~ nämlich mindestens für 1 Jahr, also mit open end, um die halbe Welt zu gondeln. Und das ich will nicht als „normaler" Touri machen, sondern zu den Bedingungen der „young generation“ mit dem Rucksack, als Backpacker. Heute an diesem Ort, übermorgen an einem anderen. Nie genau wissend, wann ich wo sein werde. Wenn es sein muss, unterwegs die Reisekasse aufbessern, für Kost und Logis arbeiten (wwoofing), oder was weiß ich, was sonst noch dazu gehören wird. Und in dieser Form galt und gilt es weiterhin herauszufinden, was ich im Vorfeld machen und tun kann, um meine Reise zu dem Abenteuer werden zu lassen, von dem ich immer geträumt habe.

Tja, und so „spiele“ ich seit meiner „Sternstunde“ jede freie Minute mein „Australien-Spiel“ und bin nun schon eine Weile dabei, meine doch etwas eingerosteten Englisch Kenntnisse wieder auf Vordermann zu bringen, obwohl ich weiß, dass der „Australien Slang“ eine andere Hausnummer hat.

Es ergaben sich sogar erste Kontakte in Down Under, woraus sich mögliche Anlaufstellen ergeben könnten. Zumal sich ja auch bereits so etwas wie (m)ein, sich durch Australien schlängelnder roter Faden entwickelte. Ich habe ihn aus einem allerersten Impuls heraus gesponnen, als ich meine frisch erstandene Karte von DU entfaltete. Danach will ich meine ersten Schritte auf dem roten Kontinent in Adelaide und drum herum machen. Und dort wird sich dann zeigen, wie’s weitergeht.

Wird es Tasmanien sein, das mich gleichfalls anlachte? Um dann zurück über Adelaide und Alice Springs hoch nach Darwin, entlang der West- und Südküste wieder nach Adelaide und weiter nach Melbourne zu gelangen? Oder läuft’s genau in umgekehrter Reihenfolge, um anschließend über die Ostküste, den nördlichen Bereich erneut Darwin zu erreichen? Diverse Abstecher kreuz und quer würden meinen roten Faden ergänzen, bzw. verlängern.

Was aber wann, wie und wo anliegt, würde ich erst vor Ort wissen. Während ich das, was mit meiner Wohnung geschehen sollte, schon sehr genau wusste. Ich würde sie auf
geben, statt sie unterzuvermieten, wie zuerst geplant. Mein Hab und Gut würde ich einlagern. Besser gesagt, nur das, woran mein Herz hängt. Den Rest verscherble / verschenke ich, um im (eventuellen) Falle meiner Rückkehr mit leichterem Gepäck an anderer Stelle ein neues Domizil zu finden. Erste Dinge ~ darunter auch gewichtige ~ habe ich bereits weggegeben.

 

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